Friedensdienst in Theresienstadt

70 Jahre Gedenken –

Schüler der Nicolas-Born-Schule Dannenberg arbeiten als Freiwillige in der Gedenkstätte Theresienstadt

Im Mai 1945 erreichte die Rote Armee den Festungskomplex Theresienstadt in Tschechien. Die SS war bereits geflohen und hinterließ einen Ort, der nun seit 70 Jahren an ihre Gräueltaten und ihren Opfer erinnert. Heute verbildlichen die zahlreichen original historischen Einrichtungen der seit 1947 bestehenden Gedenkstätte Theresienstadt die unvorstellbaren Schicksale der über 150.000 Menschen, die im ehemaligen Ghetto und Gestapo-Gefängnis inhaftiert waren. Der Erhalt dieses Mahnmals ist der harten Arbeit der Mitarbeiter der Gedenkstätte und den Freiwilligen zu verdanken, denn Witterung, Pflanzenwurzeln, Gesetze der Statik und Oxidation machen auch vor Grabsteinen, Häftlingspritschen oder Kasematten auf dem ca. 40ha großen Gedenkstättengelände nicht Halt.

„Wir brauchen Euch!“, bedankte sich der Direktor der Gedenkstätte Theresienstadt, Mgr. Jan Roubínek, bei den SchülerInnen der Nicolas-Born-Schule Dannenberg. Jakob Zander, Sebastian Klimczak, Jan Przyklenk, Joscha Schulz, Annabell Gödecke und Julian Sonderegger, Jamie Jürgensen, Laura und Lena Meier sowie die begleitenden Lehrkräfte Steffi Jepp und Enrico Lange arbeiteten in der Woche vom 8.9. bis 16.10.2017 auf dem Gelände der Kleinen Festung und verhalf zu ihrer Erhaltung.

Gefördert wurde die Fahrt vom Förderverein der Nicolas Born-Schule und KD Reisen.

Die Jugendlichen pflegten die Gräber auf dem Nationalfriedhof vor der Kleinen Festung. Jedes Einzelgrab, das gepflegt wurde, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Aufschrift: „Viele sind ja noch nach der Befreiung gestorben!“, bemerkte Sebastian.

Weiter half die Gruppe bei der Rekonstruktion auf dem IV. Hof. Auf den Dächern der Massen-und Einzelzellen mussten die Fensterscheiben ausgewechselt werden.

Das 200Jahre alte Gemäuer der recht tief gelegenen Festung mit ihren 30km langen Kasemattengängen leidet stetig unter den Pflanzenwurzeln, die sich ihren Weg bahnen. Auf den Wällen stechen folglich große Löcher ins Auge. So trug die Gruppe verwurzelte Erde auf dem Wall vor dem Pool, der von Häftlingen für die Kommandatur der Kleinen Festung errichtet werden musste, ab. Widerspenstig verkeilten sich die Wurzeln in der Erde und um den Spaten. Aber als die Arbeit nach 3 Tagen fertig gestellt war, fotografierte Jakob den Erdwall als handele es sich um ein architektonisch prägnantes Meisterwerk.

In der Freizeit setzten sich die SchülerInnen mit der Geschichte Theresienstadts in der Zeit des Nationalsozialismus und mit der Geschichte des Judentums in Böhmen und Mähren auseinander. Dazu besuchten sie die zahlreichen eindrucksvollen Denkmäler, original historischen Stätte und Museen in der Gedenkstätte Theresienstadt wie die Dauerausstellung in der Magdeburger Kaserne und das Museum in der Kleinen Festung. Die Gruppe pflegte freundschaftliche Kontakte zu den TschechInnen, lernte andere Jugendliche bei einer Partie Fußball kennen.

Die Gastfreundschaft der Tschechen ist wie eh und je beispiellos. Obwohl teure Markenprodukte zunehmend die weit günstigeren und dennoch qualitativ hochwertigen Traditionsgüter in den Ladenregalen verdrängen und die tschechische Geldbörse belasten, wird bei jedem Besuch ordentlich aufgetischt.

Dieses Gefühl des Willkommenseins und das Gefühl etwas Bedeutsames zu tun, sorgte am Tag der Abreise für Wehmut. Die Jugendlichen waren sicherlich nicht das letzte Mal in Theresienstadt, denn zu tun gibt es noch viel!

NBS Oberschule Dannenberg